Fokus Daten
Clinical Data Management: Datenbasiert entscheiden und weiterentwickeln

«Im Fokus stehen die Wirksamkeit der Therapie und die Struktur unserer Patient*innen hinsichtlich Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Substanzkonsum usw.»
– Philipp Meier, Leiter Unternehmensentwicklung und Qualitätsmanagement
Clinical Data Management
Grundlage zur fachlich fundierten und patientennahen Weiterentwicklung des Angebots
Seit 2023 verfügt die Klinik Südhang über ein strukturiertes Clinical Data Management. Es schafft eine Grundlage, um die Patient*innen, ihre Problemlagen und mögliche Begleiterkrankungen sowie die Entwicklung zentraler Wirkungen im Verlauf der Behandlung besser zu verstehen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fliessen in die Weiterentwicklung des Behandlungsprogramms ein.
Die Klinik Südhang ist ein Listenspital mit Leistungsauftrag der Kantone Bern, Solothurn und beider Basel. Bestimmte Daten wie beispielsweise die Symptombelastung bei Ein- und Austritt sowie die Patient*innenzufriedenheit müssen gemäss dem Krankenversicherungsgesetz standardisiert erhoben werden.
Das Clinical Data Management der Klinik Südhang geht darüber hinaus. Mit der Einführung des patient*innenzentrierten, modularen Behandlungsprogramms «Mensch und Sucht» im Jahr 2023 hat sich die Klinik Südhang entschieden, umfassendere Daten zu ihren Patient*innen und zur Therapie systematisch zu erheben und strukturiert zu halten. Das Ziel besteht darin, die Weiterentwicklung des Programms und der Klinik datenbasiert voranzutreiben.
Vier Befragungen bei stationären Patient*innen
Vorerst werden die Daten bei stationären Patient*innen erhoben, mittelfristig soll die Erhebung auch auf Patient*innen in tagesklinischer und ambulanter Behandlung ausgeweitet werden. Die Patient*innen werden im Rahmen ihrer Behandlung viermal befragt: beim Eintritt und Austritt, einen Monat und drei Monate nach dem Austritt. Es werden soziodemografische Daten erfasst wie zum Beispiel Schulabschluss, Wohnsituation, konsumierte Substanz oder Komorbiditäten. Und es werden Fragen zur Lebensqualität oder zum Therapieerlebnis gestellt. So werden die Patient*innen beispielsweise danach gefragt, welche Module sie während der Therapie besuchten. Aus diesen Antworten verspricht man sich Hinweise auf mögliche Zusammenhänge von besuchten Modulen und Therapieabbrüchen, resp. Therapieerfolgen.
Die Daten werden für die fachliche Entwicklung genutzt
Alle gesammelten Daten werden halbjährlich zusammengeführt: die Auswertungen des Clinical Data Management, die Auslastung der Module, fachliche Entwicklungsvorschläge, wirtschaftliche oder betriebliche Rahmenbedingungen sowie Rückmeldungen von Patient*innen und von Zuweisenden. Diese Inputs werden zusammen ausgewertet, um daraus geeignete Anpassungen von modularen Angeboten und Therapieprogrammen zu formulieren. Anschliessend wird geprüft, ob bestehende Angebote angepasst werden können oder ob es einer Neuentwicklung bedarf.
Instrument «Begrüssung und Verabschiedung»:
Direkte Rückmeldungen finden Gehör
Jeden Montag findet in Kirchlindach die Begrüssung und Verabschiedung der aktuell ein- und austretenden stationären Patient*innen statt, moderiert von zwei Geschäftsleitungs- oder Kadermitgliedern. Die austretenden Patient*innen blicken auf ihre Behandlung und ihren Aufenthalt zurück und reflektieren, was ihnen besonders hilfreich erschien und wo sie Verbesserungspotenzial sehen. Neu eintretende Patient*innen erhalten Einsicht in den Klinikalltag und Tipps für ihren Aufenthalt. Die Referent*innen nehmen Rückmeldungen zu Verbesserungsmöglichkeiten auf und leiten sie an das Qualitätsmanagement weiter. Werden Punkte häufiger genannt, werden sie in den entsprechenden Prozess aufgenommen. So unterstützen die Rückmeldungen der Patient*innen direkt den kontinuierlichen Verbesserungsprozess in der gesamten Klinik – von der Hotellerie über das Therapieangebot bis in die fachliche Entwicklung. Das Angebot wird von den Patient*innen sehr geschätzt. «Es ist nicht selbstverständlich, dass sich die Geschäftsleitung die Zeit nimmt für den direkten Austausch mit uns», sagt ein austretender Patient und eine Patientin ergänzt: «Es freut mich, dass ich etwas zur Entwicklung der Klinik beitragen kann. So kann ich auch etwas zurückgeben.»
Chefpsychologin Michaela Saurer zum Nutzen des Clinical Data Managements

«Daten führen nicht automatisch zu Veränderungen, aber sie machen relevante Entwicklungen sichtbar und schaffen eine Grundlage für Entscheidungen.»
– Michaela Saurer
«Programme sollen state-of-the-art, patient*innenzentriert und wirtschaftlich tragfähig sein»
Michaela Saurer ist Chefpsychologin der Klinik Südhang und gemeinsam mit dem ärztlich-psychologischen Team für die Ausgestaltung und Weiterentwicklung des Behandlungsprogramms zuständig.
Michaela Saurer, wozu dient aus deiner Sicht das Clinical Data Management?
Das Clinical Data Management ist für mich ein Instrument, um die Weiterentwicklung unseres Behandlungsprogramms auf drei Säulen zu stützen: auf unsere klinischen Daten, auf unsere klinische Erfahrung und auf den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Evidenz. Erst in dieser Verbindung wird Weiterentwicklung wirklich fundiert. Gerade in einer modernen Suchtbehandlung ist das zentral. Unsere Programme sollen state-of-the-art, patient*innenzentriert und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig sein.
Kannst du ein Beispiel machen für eine Weiterentwicklung aufgrund von Erkenntnissen aus dem Clinical Data Management?
Ein besonders konkretes Beispiel stammt aus der Katamneseerhebung. Dort ist aufgefallen, dass sich die Einschätzung der Qualität sozialer Beziehungen nach dem Klinikaustritt langfristig ungünstiger entwickelt als andere Domänen der Lebensqualität. Das ist fachlich relevant, weil es zeigt, dass nachhaltige Stabilisierung nach der stationären Behandlung nicht nur eine Frage von Abstinenz oder Symptombelastung ist, sondern wesentlich auch mit sozialer Einbindung und Beziehungsgestaltung zusammenhängt. Die Konsequenz daraus ist, dass wir ein ambulantes Angebot evaluieren, um genau diesen Übergang und die längerfristige soziale Stabilisierung gezielter zu unterstützen.
Ein weiteres Beispiel sind die Daten zu psychiatrischen Begleiterkrankungen. Der Report bildet häufige Erkrankungen wie Depressionen, ADHS oder Traumafolgestörungen systematisch ab (s. nachstehende Grafik). Solche Befunde sind für die Weiterentwicklung des Programms relevant, weil sie sichtbar machen, dass Suchtbehandlung bei uns oft gleichzeitig die Behandlung komplexer psychiatrischer Zusatzbelastungen ist. Das hat Konsequenzen für die Schärfung unseres Behandlungsangebots.
Worauf muss bei der Datenerhebung und bei der Auswertung geachtet werden?
Für mich sind vier Punkte zentral. Erstens klinische Relevanz: Wir sollten Daten erheben, die für die Behandlung und Weiterentwicklung des Angebots wirklich aussagekräftig sind. Zweitens Datenqualität und Vollständigkeit. Drittens eine sorgfältige, methodisch reflektierte Interpretation. Und viertens die Verbindung von Zahlen mit klinischer Erfahrung. Daten dürfen nie unkritisch gelesen werden. Fehlende Werte können Verzerrungen erzeugen, insbesondere wenn Patient*innen mit ungünstigerem Verlauf aus den Auswertungen herausfallen, weil sie bei der Erhebung nicht mitmachen. Deshalb ist mir wichtig, dass Datenauswertung nicht zu vorschnellen Schlüssen führt. Daten sollen Orientierung geben, aber sie müssen immer im klinischen Kontext interpretiert werden.
Und bezogen auf die Datenerhebung ist mir wichtig, dass sie diese Balance wahrt: möglichst vollständig und fachlich relevant, aber gleichzeitig schlank genug, damit sie im klinischen Alltag tragfähig bleibt.

Klinik Südhang verstärkt finanzielle Steuerung

«Gemeinsam im Team sorgen wir für die finanzielle Gesundheit der Klinik Südhang. Und auch wenn wir viel mit Zahlen arbeiten, sind wir uns stets bewusst, dass dahinter Menschen und ihre Geschichten stehen.»
– Camilla Brühlmann
Handlungsspielraum sichern dank kennzahlenbasierter Unternehmensführung
2025 hat die Klinik Südhang die neue Strategie 2028 verabschiedet. Im Zuge dessen wurden die Unterstützungsbereiche neu ausgerichtet und die finanzielle Steuerung gezielt gestärkt. Dazu wurde per 1. Juni 2025 der Bereich «Finanzen & Controlling» geschaffen. Er wird von Camilla Brühlmann geleitet und wird durch sie auch in der Geschäftsleitung vertreten.
Der Bereich umfasst die Abteilungen Controlling, Finanzbuchhaltung und Patientenadministration, die für eine transparente und wirksame finanzielle Führung von zentraler Bedeutung sind. Durch die Bündelung dieser Bereiche verfolgt die Klinik ein klares Ziel: Die finanzielle Steuerung wird künftig noch konsequenter und vorausschauender auf Basis belastbarer Kennzahlen erfolgen. Dies entspricht der strategischen Ausrichtung und sichert den fachlichen Handlungsspielraum auch in Zukunft. Die Leiterin Finanzen & Controlling, Camilla Brühlmann, sieht noch weitere Vorteile in der Zusammenführung dieser Fachbereiche: «Da wir in all diesen Abteilungen mit ähnlichen Themen arbeiten, verspreche ich mir einen intensiveren Wissensaustausch, eine engere Zusammenarbeit und die Möglichkeit, Synergien noch gezielter zu nutzen.»
Instrumente entwickeln
Für eine kennzahlenbasierte Unternehmensführung müssen Instrumente entwickelt werden, mit denen die wichtigsten Kennzahlen der Klinik erfasst, das Wachstum überprüft sowie die finanzielle Steuerung und Planung sichergestellt werden können. Camilla Brühlmann erklärt: «Mit den Instrumenten wollen wir Fragen beantworten können wie: Wie hoch ist die aktuelle Auslastung unserer Plätze und welche Kosten entstehen pro belegtem Bett? Oder: Wie lässt sich das Wachstum der Klinik so gestalten, dass die entstehenden Kosten stets gedeckt sind?». Schlussendlich steht auch bei den Finanzen der Mensch stets im Mittelpunkt, wie Camilla Brühlmann betont. «Denn eine stabile finanzielle Basis ist die Voraussetzung dafür, dass das innovative Behandlungsprogramm «Mensch und Sucht» bestehen und kontinuierlich weiterentwickelt werden kann.»

