Fokus Kompetenz
Spezialisierte Klinik an der Schnittstelle von Suchtmedizin und Psychotherapie
Die Klinik Südhang sieht sich als spezialisierte Einrichtung an der Schnittstelle von Suchtmedizin und Psychotherapie. Die Anerkennung der hohen fachlichen Kompetenz führt zu einer Erweiterung des Leistungsauftrags. Das einzigartige modulare Behandlungsprogramm «Mensch und Sucht» fliesst inzwischen in alle Behandlungsangebote (stationär, tagesklinisch, ambulant) ein.
Erweiterter Leistungsauftrag ab 2026

«Mit dem neuen Leistungsauftrag trägt der Regierungsrat dem diagnoseübergreifenden Behandlungsprogramm und der individualisierten Therapie in unserer Klinik Rechnung. Die Entstigmatisierung wird weiteren Personen den Zugang zu einer Therapie erleichtern. Über diese wichtigen Zeichen freuen wir uns sehr.»
– Stefan Gerber, CEO
Hohe Fachkompetenz wird anerkannt
Die Erkenntnis besteht schon lange, dass Abhängigkeitserkrankungen in der Regel nicht isoliert auftreten, sondern eng mit weiteren psychischen Belastungen verknüpft sind. Dazu gehören Depressionen, Traumafolgestörungen, ADHS/ADS oder Persönlichkeitsstörungen. Diese Erkrankungen werden nicht als Nebenaspekt, sondern als zentraler Bestandteil der Diagnostik und Therapie verstanden.
Durch die enge Verzahnung suchtmedizinischer und psychotherapeutischer Kompetenzen verfolgt die Klinik einen ganzheitlichen Behandlungsansatz. Ziel ist es, sowohl die Abhängigkeitserkrankung als auch die zugrunde liegenden psychischen Störungen gleichzeitig und abgestimmt zu behandeln. Dieser integrative Ansatz erhöht nachweislich die mittel- und langfristige Wirksamkeit der Therapie und trägt zu nachhaltigen Behandlungserfolgen bei.
Mit dem Programm «Mensch und Sucht» unterstreicht die Klinik ihre patient*innenzentrierte Ausrichtung: individuell, ressourcenorientiert und diagnoseübergreifend. Die Behandlung orientiert sich an den persönlichen Bedürfnissen und Lebensrealitäten der Patient*innen und zielt darauf ab, tragfähige Strategien im Umgang mit Begleiterkrankungen zu entwickeln.
Grundlage für die Weiterententwicklung des Leistungsangebots
Die langjährige Erfahrung in der Behandlung komplexer Begleiterkrankungen bildet die Grundlage für die Weiterentwicklung des Leistungsangebots. Dies hat der Regierungsrat des Kantons Bern durch die Erweiterung des Leistungsauftrags per 1. Januar 2026 nun anerkannt. Damit wird die Rolle der Klinik Südhang als Suchtfachklinik mit hohen Kompetenzen für eine psychiatrische Versorgung gestärkt. Neu können auch Patient*innen behandelt werden, bei denen affektive Störungen, neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen oder Persönlichkeitsstörungen als primäre Diagnose nebst einer Abhängigkeitserkrankung vorliegen.
Die Kernkompetenz als Suchtfachklinik bleibt unverändert bestehen und die bestehende Positionierung wird geschärft: als Klinik für die Behandlung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen und komplexen psychischen Erkrankungen. Die Klinik Südhang verbindet Spezialisierung so mit integrativer Versorgung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur bedarfsgerechten psychiatrischen Versorgung.

Begleiterkrankungen der Sucht
Viele Menschen, die eine Abhängigkeitserkrankung aufweisen, leiden zusätzlich an weiteren psychischen Belastungen. Im Interview erklärt die Leitende Ärztin Dr. med. Antonia Bordoni, welche Begleiterkrankungen besonders häufig auftreten, wie Sucht und psychische Erkrankungen zusammenhängen und warum ein integrativer Behandlungsansatz entscheidend für nachhaltige Stabilisierung ist.

Traumafolgestörungen der Sucht
Monika Bregy, fallführende Psychologin im Ambulatorium Bern und Verantwortliche für das Thema Traumafolgestörungen, erklärt im Gespräch, weshalb Trauma und Sucht so oft zusammen auftreten, wie sich die Symptome im Alltag zeigen und welche Wege es gibt, das Erlebte therapeutisch zu bearbeiten. Zudem erläutert sie, wie Betroffene im Umgang mit traumabezogenen Symptomen mehr Handlungsspielraum gewinnen können.

ADHS und Sucht
ADHS begleitet viele Menschen bis ins Erwachsenenalter und spielt auch in der Suchttherapie eine wichtige Rolle. Jan Gehri, fallführender Psychologe in der Klinik Südhang Ambulatorium Bern, erklärt im Gespräch, wie sich ADHS im Alltag zeigt, warum die Diagnose anspruchsvoll ist und weshalb eine gezielte Behandlung oft entscheidend für den Therapieerfolg sein kann.
Umsetzung der Strategie 2028
Behandlungsprogramm «Mensch und Sucht» hält in der ambulanten Behandlung Einzug
Mit dem Behandlungsprogramms «Mensch und Sucht» hat die Klinik Südhang ein wegweisendes psychotherapeutisches Angebot für Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung in stationärer Behandlung geschaffen. In der Strategie 2028 wurde nun festgelegt, dass das Programm auch immer mehr in den Ambulatorien zum Tragen kommen soll.
Das Behandlungsproramm «Mensch und Sucht» beinhaltet zehn Schwerpunktthemen mit rund 80 verschiedenen Modulen. Wie adaptiert man so ein umfassendes Programm für die ambulante Behandlung? Christine Fischer, Leitende Ärztin im Ambulatorium Bern (s. Bild) erzählt, wie sie das angegangen sind: «Wir haben uns intensiv mit den Schwerpunkt- und Modulverantwortlichen ausgetauscht und gemeinsam geschaut, welche Elemente in ein ambulantes Setting übersetzt werden können und auch durchführbar sind.» So sind die offene Gruppe ADHS und die Gruppe Alkoholexposition entstanden.
Bei der ADHS-Gruppe handelt es sich um ein neues Angebot für alle Patient*innen – stationär, teilstationär und ambulant. «Es freut mich sehr, dass wir diese Gruppe nun anbieten können. Denn unsere Daten zeigen schon lange, dass rund 25 Prozent aller Patient*innen im Südhang ein ADHS aufweisen», so Christine Firscher.
Die Gruppe Alkoholexposition wurde aus dem stationären und von den Patient*innen sehr geschätzten Gruppenangebot «Umgang mit Versuchung» abgeleitet. In dieser Gruppe werden die Patient*innen in einem sicheren Umfeld mit der Substanz konfrontiert. Dabei lernen sie, mit dem Verlangen nach der Substanz umzugehen und dem sogenannten Suchtdruck (Craving) nicht nachzugeben. «Doch wir haben festgestellt, dass nach dem Austritt aus der stationären Behandlung die Menschen oft wieder sehr nah am Konsum dran sind. Gerade die Substanz Alkohol ist im Alltag sehr präsent. Mit der neuen ambulanten Gruppe können wir die Menschen weiter begleiten und den Umgang mit diesen Reizen trainieren», erläutert Christine Fischer.
Beide Gruppen starten voraussichtlich im Frühling 2026. Christine Fischer wünscht sich, dass noch weitere dazu kommen werden. «Es können nicht alle stationären Angebote in die ambulante Behandlung übersetzt werden. Es gibt auch administrative und finanzielle Hürden zu überwinden. Aber wir haben noch viele Ideen und ich hoffe, dass die ersten beiden Gruppen einen kleinen Schub auslösen, damit wir auf diesem Weg weiterentwickeln dürfen.»

Angebote am Übergang von der Therapie zum Alltag

Tagesklinik - Therapieerkenntnisse am Abend und am Wochenende üben
Die Tagesklinik befindet sich am Standort der Klinik Südhang in Kirchlindach. Sie bietet zwanzig Therapieplätze an. Das Angebot richtet sich an Patient*innen, die während ihrer stationären Therapie Stabilität erreicht haben, ausserhalb der Therapiezeit mehr Selbstbestimmung wünschen oder die in einer anderen Klinik einen Entzug gemacht haben und am Behandlungsprogramm «Mensch und Sucht» teilnehmen möchten. Die Patient*innen wohnen zu Hause und nehmen tagsüber am Behandlungsprogramm teil. Sie belegen die Angebote, die ihren Bedürfnissen entsprechen, und stellen sich ihre Therapie mit dem interprofessionellen Behandlungsteam individuell zusammen. «Unsere Patient*innen leben trotz intensiver Therapie in ihrem gewohnten Umfeld. Die therapeutische Auseinandersetzung durch den Tag und die Alltagsituation am Abend und Wochenende fordert viel Geduld und Arbeit, damit die persönlichen Ziele erreicht werden. Wir unterstützen die Patient*innen so gut wir können dort, wo es Sinn macht, und bieten einen sicheren und vertrauensvollen Rahmen dafür», erläutert Rita Bühler, Dipl. Pflegefachfrau HF. Das Behandlungsprogramm findet grundsätzlich an fünf Tagen pro Woche statt, kann aber je nach Behandlungsplan variieren.

Theatergruppe - Im Kontakt mit sich und anderen sein
Der Übergang von der Therapie in den Alltag ist für stationäre Patient*innen oft eine grosse Herausforderung. Da können Angebote, die weiterhin besucht werden, unterstützend sein – sie stärken das Selbstbewusstsein und fördern den sozialen Austausch – wie das Theatertraining von Stephan Mathys, Leiter Kunsttherapie der Klinik Südhang. Dieses steht allen ehemaligen sowie den ambulanten Patient*innen der Klinik Südhang und weiteren interessierten, krisenerprobten Menschen offen. «Durch den bewertungsfreien Ausdruck werden die persönlichen Themen spürbar», sagt Stephan Mathys. «Sie können im Spiel variiert und neu erlebt werden.» Im Theatertraining gehe es auch um den Kontakt zu anderen Menschen – und darum, sich als aktiven und gestaltenden Teil einer Gruppe zu erfahren. Unter anderem mit Teilnehmenden dieser Gruppe ist das Theaterstück «Aller Anfang» entstanden. Ehemalige Patient*innen des Südhang erzählen darin, wie sie den Alltag nach der Therapie erleben. Die Texte wurden von Sprecher*innen vorgetragen und mit eigens dafür geschaffener Musik, einem Südhang Song und Szenen begleitet. Auf der Bühne standen rund zwanzig Leute, neben ehemaligen Patient*innen auch therapeutisches Personal der Klinik. «Aller Anfang» wurde in den vergangenen beiden Jahren öffentlich aufgeführt und stiess auf grosse Resonanz. Die Hörspiel Version der Texte ist auf Youtube zu finden.

